Schleusen

Hierüber müssen wir noch ein paar Worte und Bilder beifügen.

Von Beginn unserer diesjährigen Wasserreise, von Holland über Belgien durch Frankreich bis nach Strasbourg, haben wir 25o Schleusen befahren. es waren wesentlich mehr als wir geplant hatten – die Maas war im oberen Teil wegen des fehlenden Wassers nicht befahrbar und wir mussten über den CANAL DES ARDENNES, den CANAL LATERAL A L,AISNE und den CANAL DE L,AISNE A LA MARNE in den MARNE-RHEIN-CANAL; und diesen in seiner gesamten Länge von Westen nach Osten bis Strasbourg durchschippern – immerhin allein dieser Kanal hat eine Länge von ca. 3oo Kilometern.

Wir haben also mehrere Wasserscheiden überschritten, vom Maastal über die Ardennen in das Seine-Becken, die Aisne hinunter und die Marne hinauf, dann wieder hinunter zur Mosel und wieder hoch über die Vogesenausläufer und dann das Elsass hinunter in die Rheinebene.

Die höchsten Kanalgipfel, entweder dann ein Tunnel oder mehrere oder Speicherseen und Naturschutzgebiete, lagen auf 26o und 27o Meter Meereshöhe.

Alles geht natürlich nur mit Schleusen verschiedenster Grössen, Höhen, unterschiedlichsten Techniken und aus verschiedenen Bauzeiten und in unterschiedlichem Gebrauchszustand oder auch imposante Schiffshebewerke. Wir haben unten dann verschiedene Bilder angefügt mit denen jeder sich ein Bild machen kann.

Die Größen der Schleusen sind natürlich auch je nach Alter und Nutzung des Kanales unterschiedlich. die kleinen Schleusen sind so gross, dass wir mit unserem 13 Meter langen Schiff gerne alleine gefahren sind – es gehen aber auch zwei Schiffe unserer Größe in eine solche Schleuse. Die ganz grossen Schleusen – Rhein und Maas – sind aber so gewaltig und riesig und sehr beeindruckend, so dass wir uns dann ganz klein und verlassen vorgekommen sind.

Überhaupt ist die gesamte Technik solcher Kanäle, ob aus dem 18. Jahrhundert oder ganz Neuen, immer wieder sehr eindrucksvoll. Wir werden über die Kanäle, Brücken und Tunnels an anderer Stelle nochmals ausführlich berichten und informieren.

Die Schleusen werden heute meist automatisch und hydraulisch betrieben. nur die ganz alten Schleusen werden noch per Hand von einem oder mehreren Schleusenwärtern bedient – wie die grosse Schleuse in Utrecht. Trotzdem sind laufend Schleusenaufsichtspersonen unterwegs und auch telefonisch oder über Funk fast immer sofort erreichbar, wenn etwas nicht mehr geht und dann kommen diese freundlichen Mitarbeiter mit dem Auto an und bringen die Schleuse wieder zum gehen oder schauen einfach nur nach uns Schifferlaien damit wir nichts falsch machen oder gar Schaden anrichten.

Normalerweise wissen die Mitarbeiter der Schleusenaufsicht aber immer wo und wer und welches Boot gerade welche Schleuse benützen möchte und wir hatten deshalb hier ausnahmsweise auch ein gutes Gefühl immer unter Beobachtung zu stehen.

Wenn wir an eine Schleuse heranfahren, dann geht das fast wie bei einer Ampel beim Autofahren – ist die Ampel doppelt Rot, dann ist die Schleuse ausser Betrieb – bei kleinen Kanälen kann nachts nicht gefahren werden. Ist die Ampel nur Rot dann ist die Schleuse in Betrieb wir dürfen aber nicht einfahren – können natürlich auch nicht, denn meist ist diese geschlossen. Blinkt dann eine Lampe Gelb, dann wissen wir, dass sich irgend etwas tut und wir schauen informationssüchtig durch unser Fernglas. Wenn dann eine grünes Licht neben dem Roten aufleuchtet wissen wir, dass die Schleuse für uns vorbereitet wird, vielleicht auch für einen grossen Lastkahn, den wir aber noch nicht sehen wer weiss? Aber wir freuen uns und normalerweise geht dann, wenn die Schleuse vorbereitet ist und das Tor aufsteht die rote Ampel aus und das grüne Licht sagt uns: Wir können einfahren – normalerweise – wenn kein Berufsschiffer auch einfahren will, denn der hat immer Vorfahrt.

 

Die Schleuse weiss wann wir einfahren wollen mittels verschiedenen Anmeldungsarten:

Entweder die Schleuse ist von einer Schleusenwärterin oder einem Schleusenwärter besetzt und dieser sieht dich aus seinem Schleusenhaus oder es gibt Lichtschranken die beim Durchfahren entsprechend reagieren und die Schleuse dann automatisch in Betrieb nehmen und für dich vorbereiten. Es gibt aber auch über dem Kanal und vor der Schleuse in der Luft hängende Stangen die gedreht oder gezogen werden müssen damit die Schleuse arbeitet. Dann gibt es auch Kameras über die die Zentrale der jeweiligen Schleusenaufsicht und des jeweiligen Kanales dann weiss wo du bist und wann die Schleuse für dich sinnvoll und zeitlich günstig und abhängig vom anderen Schiffsverkehr geöffnet werden kann. Natürlich kann auch jede Schleuse über Funk oder besser über das Handy und dann über die entsprechende Aufsichtperson geschaltet werden. Und wenn alles nicht geht und die Wartezeit vor der Schleuse wegen der Hitze oder des Windes oder weil es langweilig wird nicht mehr zumutbar erscheint, wird bei der Schleusenkontrollstelle angerufen und egal wie weit die Schleuse abgelegen ist und egal wie wenig Betrieb auf dem Kanal ist, nach einer gewissen Zeit kommt ein Schleuser mit dem jeweilig sinnvollen Gefährt aus dem Nichts an und öffnet freundlich die Schleuse für uns.

Wir waren wirklich oft ganz allein unterwegs oder an diesen Tagen wurde der Teil des Kanales sicher nur von einigen wenigen kleinen Schiffen genutzt, so dass wir manchmal ein schlechtes Gewissen hatten, wenn wegen uns die ganze Sache extra in Bewegung gebracht wurde – aber immer beeindruckend funktionierte.

Die kleinen Schleusen waren auch wirklich oft regelrecht zugewachsen, was zwar recht romantisch aussah aber betreffend der Funktion seine Tücken hatte. Bei den grossen Schleusen waren wir dann doch immer froh wenn die Festmacher dann beweglich und schwimmend waren und wir nicht die Leiter hochsteigen mussten – bei der Bergfahrt – deshalb sind uns die Abwärtsfahrten auch lieber, denn dann ist die Schleuse voll und das Festmachen ist einfacher – und Festmachen ist wirklich notwendig, denn jede Schleuse hat ein anders Füll- oder Leerverhalten und die entstehenden Strömungen in den Schleusen sind immer anders und manchmal überraschend lebhaft.

Wir haben also 25o Schleusen abgearbeitet, denn es ist richtig Arbeit, die 2o Tonnen immer still zu halten und sich keine Schrammen zu holen, und wir sind die höchste Schleuse hochgehoben worden – immerhin 16 Meter – und haben ein Schiffshebewerk benützen können, welches 44 Meter auf- und abhebt, eine schräg bewegliche Wanne für zwei solcher Boote wie unseres.

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